Ein NEIN zu den Rosinen

Rosinen. Vor Kurzem erzählte mir ein Freund, dass er keine Rosinen mögen würde. Grundsätzlich würde er alles essen, aber Rosinen eben nicht. Rosinenbrot wäre besonders schlimm.

Ich blieb in Gedanken am Rosinenbrot hängen. Ich schmeckte es förmlich am Gaumen. Ich hätte in dem Moment gerne Rosinenbrot gehabt. Aber ich sagte: „Ja, geht mir genauso. Rosinen mag ich auch nicht.“

Und das war nicht gelogen. Es gab Zeiten – ich würde behaupten deutlich mehr als die Hälfte meines Lebens –, da mochte ich Rosinen nicht. Ich versuchte mich daran zu erinnern, wann sich das geändert hatte. Es fiel mir nicht ein. Irgendwann hatte ich einfach Rosinen gegessen. Und dann sogar Rosinenbrot.

Das lag vielleicht zum Teil an der Erziehung durch meine Eltern und dem oft gehörten Satz: „Es wird alles wenigstens einmal probiert.“ Aber deshalb hatte ich ja nicht angefangen, sogar Rosinenbrot zu essen, oder?

Die Sache mit den Rosinen ist mir im Grunde völlig egal. Manchmal mag ich sie und manchmal nicht. Im Müsli zum Beispiel mag ich sie überhaupt nicht. Eingelegt in Rum zum Obstsalat: ideal.

Mich beschäftigt aber die Frage, wie viel ich noch „mag“, oder hinnehme, was ich eigentlich überhaupt nicht leiden kann. Wann hatte ich begonnen, in Bezug auf meine Wünsche und Bedürfnisse zu lügen? Also alle anderen, aber auch mich anzulügen?

Ich schätze mich selbst als sehr empathisch ein. Andere Menschen bewusst zu verletzten, würde ich nicht aushalten. Gefahr zu laufen, irgendjemandem irgendeine Situation unangenehmer als nötig zu machen, ist mir zuwider.

Das ist Wahnsinn. Wer so lebt, der steckt permanent zurück. Ein Kollege sagte mal zu mir: „Du musst doch auch mal NEIN zu einer Aufgabe sagen. Es kann doch nicht sein, dass Du alles machst oder wirklich machen willst. Weißt Du, jedes NEIN zu den anderen ist ein JA zu Dir selbst.“

Ich denke darüber sehr häufig nach. Und dann denke ich, jetzt in diesem Moment sollte ich mir zuliebe NEIN sagen und sage dann doch wieder JA. Wann hatte ich JA zu den Rosinen gesagt? Und warum war es mir an jenem Tag so unerträglich NEIN zu sagen?

„Augen zu und durch.“ Dieses Motto passt zu mir. Ich habe Nehmerqualitäten. Ich halte Situationen aus. Auch dann, wenn sie mich noch so belasten. Und je länger ich sie aushalte, desto vertrauter werden mir selbst die unangenehmsten von ihnen, vermute ich. So vertraut, dass ich lieber in ihnen verharre, als mich einer ungewissen, wenn auch potenziell viel besseren Alternative zu stellen.

Sowas wird – je öfter man es lebt – zu einer Maxime. Im schlimmsten Fall gefällt man sich schließlich selbst sehr gut in der Rolle des Märtyrers.

Was ist nun mit den Rosinen? „Rosinen mag ich nicht, aber zu einem Rosinenbrot sage ich nicht nein.“ Sollte es so kompliziert sein? Ist das nun clever oder doch nur noch eine Spur angepasster?

(mk, 06.04.2018)

 

Advertisements
Getaggt mit , , , , , ,

Schwarmintelligenz und Kunst taggen

Nicht neu, aber noch nicht dokumentiert: https://www.artigo.org/.

Getaggt mit , , , , ,

Zwei Foto-Collagen im Comic-Stil

Für die beiden Trainer unserer zweiten Frauenmannschaft bei Blau-Weiß-Aasee habe ich als Saisonabschlusspräsent je eine Collage erstellt.

Die Fotos stammen von Spielen aus der ganzen Saison 2016/2017. Raster und Zeichnungen stammen von depositphotos. Fertigstellung mit Illustrator und Photoshop.

Helmut, Helmut, Helmut

Die Leute riefen laut und im Chor „Helmut, Helmut, Helmut“. Sie hörten nicht auf. Immer wieder wiederholten sie diesen einen Namen – „Helmut, Helmut, Helmut“. „Wie Schafe“, dachte ich damals. Ich war überrascht, geradezu angeekelt. Aber auch beeindruckt.

Es war irgendwann Anfang der 2000er in Greifswald, ein paar Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt. Ich weiß nicht mehr, warum er da war. Aber ich weiß noch, warum ich da war: Einmal Helmut Kohl sehen. Mittlerweile nicht mehr Kanzler. Mehr noch: tief gefallen, aber trotzdem – so lange ich denken konnte, der eine Bundeskanzler und Regierungschef in Deutschland.
Ich kam damals enttäuscht an. Ein Held meiner Kindheit, wenn auch nur aus Gewohnheit, hatte in kurzer Zeit viel von seiner Heldenhaftigkeit verloren. Die öffentliche Meinung schien einstimmig: am Ende doch nur berechnend und stur.
Aber dann dort, auf einem Marktplatz in der ostdeutschen Provinz, diese überwältigende und scheinbar bedingungslose Welle der Sympathie. Dort für diese Leute war er noch immer ein Held. Der Mann, der die Deutsche Einheit brachte.

Wenn man jung ist, wie ich es damals war, dann ist man voller Ideale. Es scheint nur Gut oder Schlecht zu geben, Schwarz oder Weiß, alles dazwischen ist inkonsequent, angepasst und im Grunde feige.
Also, waren die Leute dort unbelehrbar loyal und blind gehorsam? Oder lag ich mit meiner Überzeugung falsch?
Ich glaube, ich blieb damals bei meinem Urteil: „Schafe“. Es fühlte sich besser an, die eine Aufgeklärte zu sein, die es zwischen all den Verblendeten besser wusste. Aber ein Hauch von Zweifel blieb zurück.

Das ist jetzt über zehn Jahre her. Ich bin älter, eine Spur weiser, und ich musste das ein oder andere Ideal bereits dem Alltag opfern. Ich erlaube mir mittlerweile ein wenig Grau zwischen dem Schwarz und Weiß. Heute glaube ich, dieser Mann, der mein Held war, war es und war es im selben Moment nicht. Er war da, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er hat nicht alles richtiggemacht. Aber er hat etwas von Wert gemacht.
Doch war er nicht nur Held und Figur der Geschichte, sondern auch Mensch – ein Mensch, schwach und fehlbar.
Heute denke ich: Sei es drum. Auch ich kann nicht an jedem Tag zu den Guten zu gehören. Es geht einfach nicht. Keiner von uns hat die Kraft dazu. Ich unterstelle aber, dass es Leute gibt, die sich redlich bemühen. Und ich möchte Helmut Kohl unterstellen, dass er sich redlich bemühte. Und selbst wenn er ganz einfach nur deshalb – quasi nebenbei – zum Helden wurde, weil das Streben nach seinem ganz persönlichen Glück, der Wiederwahl, mit der Deutschen Einheit erzielt werden konnte, dann ist das auch ok für mich. Niemand wacht morgens auf und denkt sich: „Heute verändere ich die Welt.“
In weiteren zehn Jahren werde ich vermutlich noch einmal neu urteilen. Für heute will ich nicht weiter zweifeln. Einen Helden zu haben, ist es etwas sehr Erfüllendes. Ich möchte meinen zurück.
Danke, Helmut. Die Deutsche und Europäische Einheit haben bisher mein ganzes Leben wertvoller gemacht.

Gestern, einen Tag nach Deinem Tod, fuhr ich mit meinem Fußballteam für ein Freundschaftsspiel von Münster nach Nijmegen in die Niederlande. Wir fuhren „einfach so“ über die Grenze, ohne Kontrolle, ohne Angst, ohne große Planung. Wir unterhielten uns „einfach so“ in einer Mischung aus Englisch, Niederländisch und Deutsch mit den Mädels dort, mit denen wir die Leidenschaft für denselben Sport teilten. Wir sprachen über unsere Pläne „einfach so“ in dem Nachbarland zu studieren, zu arbeiten, oder einen Partner zu haben. Wir kämpften auf dem Fußballplatz. Wir lachten viel und schrieben ganz nebenbei unseren bescheidenen Absatz im Kapitel „Europäische Integration“.

Deutsche und Europäische Einheit schenkten und schenken mir persönlich eine Vielzahl von Chancen und Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung und Freiheit. Helmut, Dein Beitrag zu beidem ist unbestritten. Es ist unser aller Erbe. Danke dafür.

(MK, 18.06.2017)

Getaggt mit , , , ,

Mit Mixmaps online individuelle Karten erstellen (D, A, CH)

Schnnell mal eine Karte erstellen und irgendwo einbinden? Das geht ganz fix mit diesem Tool:

http://mixmaps.de/

Mir gefällt das schlichte Design und die zusätzlichen Optionen wie „Zeige Landesgrenzen“, „Zeige Städte > 1. Mio Einwohner“ etc.

Gibt es für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Irgendein Tipp für Europa?

2016-07-14 15_55_18-Individuelle Deutschlandkarte erstellen

Getaggt mit , , , , , ,

Mit Fireshot komplette Websiten sreenshoten ohne Scrollen und Basteln

Ja, bisher habe ich tatsächlich immer mehrere Screenshots in Paint zusammengebastelt.

Besser und schneller geht’s mit diesem Plugin für Firefox: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/fireshot/.

Mit Greenshot gibt’s das Ganze auch für den IE: http://www.chip.de/downloads/Greenshot_37928331.html.

Für Chrome gibt es das hier: http://www.chip.de/downloads/FireShot-fuer-Google-Chrome_52998255.html.

2016-07-14 15_49_09-FireShot Screen Capture #004 - 'Neuen Beitrag erstellen ‹ Parmesan Pike — WordPr

Getaggt mit , , , , , , , , , , ,

Was bleibt, sind die Bilder im Kopf #1

Was bleibt, sind die Bilder im Kopf.

Auf einem dieser Bilder bin ich in unserer Küche. Die Küche in unserem ersten Haus. Also, in MEINEM ersten Haus. Das Haus, in dem wir lebten bis ich 8 Jahre alt war.

Ich sitze am Tisch. Und ich glaube, ich habe Geburtstag. Mein Opa betritt den Raum und hat eine Barbiepuppe, genauer gesagt, einen Ken nebst kleinem Jungen dabei.

Es ist kein „echter“ Ken. Es ist der Typ von „Steffi Love“. Welchen Namen der trug, weiß ich nicht mehr. Eben „no name“.

Was ich noch weiß ist, wie sehr ich mich gefreut habe. „Endlich ein Mann!“ Und ich weiß auch noch, dass ich dachte: „Opa ist der Beste!“

Rückblickend eines der besten Geschenke überhaupt. Und die Freude war auch deshalb so groß, weil das Geschenk – gerade von Opa – so unerwartet war. Wie konnte ER nur wissen, dass ich genau das toll finden würde?

Irgendwann viel später wurde mir klar, dass Opa den „falschen Ken“ von meiner Mutter im Flur vor der Küche in die Hand gedrückt bekommen haben musste.

Mama hatte ihn ausgesucht. Mama hatte entschieden: „Das ist Opas Geschenk für Mareen!“.

Danke, Mama. „Danke“ dafür, dass Du – besser als ich selbst – wusstest, worüber ich mich freuen würde. Und ein zweites Mal „Danke“ dafür, dass Du Opa und mir diese Erinnerung und diese Freude geschenkt hast!

Advertisements